Die Kampagne - Hintergrund
Die Kampagne "MACH MIT. BAU NACHHALTIG" für energieeffizientes Bauen in Sachsen steht unter Schirmherrschaft von Sachsens Staatsminister für Landwirtschaft und Umwelt Frank Kupfer.
Durch die Kampagne MACH MIT. BAU NACHHALTIG. werden neben dem Hauptanliegen - der Information über verschiedene im Gebäudebereich relevante Rubriken (Bautechnik, Bauphysik, Architektur, Heizungstechnik, Lüftungs- und Klimatechnik, Elektrotechnik usw.) - ebenfalls innovative Lösungsmöglichkeiten vorgestellt werden, die den Energieverbrauch der Gebäude drastisch senken und gleichzeitig die Nutzungs- und Lebensqualität erhöhen.
Zukünftige Bauherren oder bereits Gebäudeeigentümer werden so mit umfangreichem Wissen ausgestattet, das zum Gelingen eines energetischen Bauvorhabens beiträgt. Ab Mai 2009 werden in in vielen bekannten Baumarktketten umfangreiche Informationsflyer rund um das Gebäude, die Gebäudehülle und die Anlagentechnik unter energetischen Gesichtspunkten sowie Fördermöglichkeiten und Gesetzen ausliegen. Bei der SAENA können darüber hinaus zukünftig thematische Broschüren bestellt werden.
Innerhalb der Kampagne MACH MIT. BAU NACHHALTIG. werden anschaulich verschiedene Lösungsansätze bei der Planung und Ausführung beim Bau von Wohngebäuden vorgestellt. Im Sinne einer Vorbildfunktion werden innovative Projekte (Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser) vorgestellt. Hierbei werden Fotos vom Bauablauf, Angaben zum Baujahr, zur Wohnfläche, zum gewählten Architekt, beauftragten Fachingenieur und Energieberater sowie ein vorher/nachher Vergleich in Zahlen mit Angabe der Einsparung veröffentlicht. Die Demonstration beispielhafter Lösungen soll interessierte Bauherren anregen, die vorhandene Kompetenz unserer einheimischen Architekten und Ingenieure zu nutzen.
Die Kampagne wird im Sinne eines Partnernetzwerkes verschiedener Fachgebiete, wie beispielsweise die sächsischen Kammern, Fachverbände und das Baugewerbe erweitert.
Bestandteil wird es ebenso sein, Fortbildungen zu Themen wie Energieeffizienz, Anlagentechnik und gesetzlichen Rahmenbedingungen durch die Sächsische Energieagentur - SAENA GmbH und die verschiedenen Projektpartner durchzuführen.
Neben dem fachlichen Informationsgehalt der Kampagne MACH MIT. BAU NACHHALTIG. soll die Freude am Bauen und Sanieren nicht zu kurz kommen. Bereits im Sommer sind weitere Aktionen, wie beispielsweise ein Wettbewerb geplant ...
Ressourcen- und Klimaproblematik
Um die globale Erwärmung auf ein erträgliches Maß zu begrenzen, ist eine Reduktion der globalen Kohlendioxidemissionen bis 2050 um mindestens 30 Prozent gegenüber 1990 erforderlich. Dies bedeutet für Industrieländer eine Reduktion um etwa 80 Prozent. Dagegen dürfen die Emissionen in Entwicklungs- und Schwellenländern um maximal 30 Prozent steigen. Somit sind die heutigen Reduktionsziele der deutschen Bundesregierung von 20 Prozent bis 2020 und 50 Prozent bis 2050 gegenüber dem Wert von 1990 keineswegs zu hoch, sondern sollten mindestens angestrebt werden.
Die technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen, dass diese Ziele erreichbar sind. Rund 80 Prozent des Energieverbrauchs weltweit werden gegenwärtig noch durch fossile Brennstoffe (Erdöl, Erdgas und Kohle) - die Hauptverursacher von Kohlendioxidemissionen - gedeckt. Die Wirkung von Emissionen entfaltet sich lokal (Grobstaub, Benzol, Ruß), regional (Aerosolpartikel, kurzlebige Gase) und global (langlebige Treibhausgase).
Aber nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Gründe erfordern eine nachhaltige Energieversorgung. Neben dem Klimawandel stellen auch die Endlichkeit fossiler Energieträger, sowie die Abhängigkeit von Energieträgerimporten ein erhebliches Problem dar. Derzeit werden rund 50 Prozent der fossilen Energieträger in der Europäischen Union aus Drittländern importiert. Die Abhängigkeit der Europäischen Union von Energieimporten aus Drittländern steigt weiter an. Dies führt unter anderem zu wirtschaftlichen, sozialen und politischen Risiken. Wenn der Energieverbrauch nicht reduziert und der Anteil der einzelnen Brennstoffarten nicht verändert wird, könnte die Abhängigkeit von Ölimporten bis 2030 auf über 90 Prozent und von Gasimporten auf über 80 Prozent steigen. Die Konkurrenz auf dem Energiemarkt wird zugleich immer härter.
Der Bedarf an Rohstoffen steigt in Industriestaaten und Schwellenländern weiter an. Indien hat seinen Ölverbrauch seit 1992 verdoppelt. China gilt seit 2004 weltweit als zweitgrößter Ölimporteur. Die Tendenz setzt sich fort. Dabei sind diese Länder nicht Auslöser des Problems, sondern haben dasselbe Recht auf Entwicklung und Wohlstand. Der Knackpunkt ist vielmehr, dass Energie und Ressourcen immer noch nicht effizient genug genutzt werden und zu wenig Technologien, Produktionsweisen und Produkte nachhaltig sind.
Notwendigkeit der Verbrauchsreduzierung bei Gebäuden
Sicher stellt sich vielen Verbrauchern auch die Frage, warum Energieeffizienz oder Energieeinsparung gerade im Gebäudebereich so wichtig sind. Natürlich sind auch die großen Energieversorger in der Pflicht, die Effizienz ihrer Anlagen zu verbessern und nach neuen Lösungen für die Zukunft zu suchen. Aber das allein wird nicht ausreichen. Je weniger Energie verbraucht wird, desto weniger muss auch erzeugt werden. Und gerade Gebäude verbrauchen viel Energie und bieten noch erhebliches Potenzial zur Effizienzsteigerung. Der Wohn- und Dienstleistungssektor, in dem überwiegend Gebäude genutzt werden, verursacht allein über 40 Prozent des Endenergieverbrauchs in der Europäischen Gemeinschaft. Dieser Wert gilt auch für Deutschland. Da der Wohn- und Dienstleistungssektor expandiert, werden auch der Energieverbrauch und somit die Schadstoffemissionen steigen.
Der größte nachhaltige Nutzen beim Sanieren oder dem Neubau eines Gebäudes entsteht, wenn die geplanten Maßnahmen bereits im Vorfeld in einem Gesamtkonzept von Energieeffizienz und Einsatz erneuerbarer Energien betrachtet werden. Folgende Reihenfolge ist dafür empfehlenswert:
Durch eine bessere Dämmung der Gebäudehülle wird der Verlust an Wärme und damit der Energiebedarf eines Gebäudes gesenkt. Moderne Heiztechnik sorgt dafür, dass der verbleibende Energiebedarf effizient gedeckt wird. Strategisch sollte zunächst immer der Energiebedarf des Hauses gesenkt werden, bevor die fossil befeuerte Haustechnik durch moderne Anlagen auf Basis erneuerbarer Energien ersetzt wird. Beispielsweise wird durch den Austausch einer Ölheizung durch eine Pelletheizung zunächst eine Unabhängigkeit vom steigenden Ölpreis erreicht, ohne die energetische Sanierung wird jedoch eine große Menge an Pellets benötigt. Demnach wird nur vom niedrigeren Brennstoffpreis profitiert. Wird jedoch auch der Energiebedarf gesenkt, sinkt der Bedarf an Pellets und der Kostenvorteil steigt. Bei einer Entscheidung für eine Solaranlage, wären bei einem geringeren Energiebedarf die erforderliche Kollektorfläche und damit die Investitionskosten geringer.
Bei der Nutzung erneuerbarer Energien für die Energieversorgung von Gebäuden stehen mehrere erprobte Technologien zur Verfügung. Welcher Energieträger sich am besten eignet und nach wie vielen Jahren sich die Investitionen bezahlt machen, lässt sich nicht pauschal sagen. Bei einer professionellen Planung und Finanzierung der Sanierung können die Investitionskosten aus den jährlichen Energiekosteneinsparungen finanziert werden.
Energieeffizienz im Gebäudebereich bietet nicht nur volkswirtschaftliche Vorteile durch Schonung endlicher Ressourcen und geringere Emissionen an treibhauswirksamen Gasen und anderen Schadstoffen. Sie bietet auch den Bewohnern selbst handfeste Vorteile. Dabei zahlen sich eine energetische Sanierung und die Abkehr von fossilen Ressourcen durch das Einsparen von Energiekosten in barer Münze aus. Durch die Entwicklung der Brennstoffpreise sind immer stärkere Belastungen für die Haushalte zu erwarten. Allein in den Jahren von 2000 bis 2008 stiegen die Preise für Heizenergie um 100 Prozent.
Um zu vermeiden, dass Energie von einem Teil der Bevölkerung nicht mehr bezahlt werden kann, müssen heute die richtigen Maßnahmen ergriffen werden. Erneuerbare Energien bringen weitgehend Unabhängigkeit von den Energiepreisentwicklungen und schaffen mehr Sicherheit. Solaranlagen zum Beispiel verursachen außer den Investitionskosten quasi keine Betriebskosten mehr.
Sparen durch Senkung der Energiekosten
Seit Jahren steigen die Nebenkosten nahezu kontinuierlich. Teilweise wird schon von der "zweiten Miete" gesprochen. Aber auch Eigenheimbesitzer müssen erheblich höhere finanzielle Belastungen aufbringen. Das ist wesentlich dem starken Anstieg der Preise aller Energieträger geschuldet. Daran wird sich angesichts der Situation auf den internationalen Rohstoff- märkten mittel- und langfristig nichts ändern. Deshalb sind Bewohner vor hohen finanziellen Belastungen durch steigende Energiepreise am besten geschützt, wenn der Energieverbrauch der Gebäude möglichst gering ist.
Ein ungedämmtes Einfamilienhaus aus dem Jahr 1970 mit 150 m2 bewohnter Fläche kann beispielsweise allein für die Heizung jährlich 45.000 kWh benötigen. Dies entspricht 4.500 l Heizöl oder 4.500 m3 Erdgas und aktuell einem Preis von 3.000 Euro. Die Tendenz ist weiter steigend. Ein vergleichbar großes Haus nach energiesparendem KfW-40-Standard benötigt hingegen nur noch 6.000 kWh pro Jahr. Das entspricht einem aktuellen Preis von ca. 400 Euro. Der beträchtlichen Ersparnis stehen höhere Investitionskosten bei der Errichtung besonders energieeffizienter Gebäude oder Kosten für die thermische Sanierung bestehender Gebäude gegenüber.
Werden die Zinsen für das eingesetzte Kapital berücksichtigt und eine gleichbleibende Entwicklung der Energiekosten zu Grunde gelegt, lässt sich die Amortisationsdauer der energieeffizienten Bauweise ermitteln. Ist sie kürzer als die geplante Nutzungsdauer des Gebäudes, lohnen sich die Ausgaben für den Investor langfristig. Das muss jeweils im konkreten Einzelfall berechnet werden. Stehen ohnehin Modernisierungen an, sollten sie gleich mit einer energetischen Sanierung verbunden werden.
Mehr Behaglichkeit und Gesundheit
Das Wohlbefinden eines Menschen in Wohnräumen hängt unter anderem vom Raumklima ab. Bei normaler Bewegung gibt ein Mensch durchschnittlich 100 W Wärmeleistung als Strahlung und Konvektion ab. Das Raumklima selbst wird ebenfalls von mehreren Faktoren beeinflusst:
Wichtig für behagliches Wohnen ist daher nicht nur die Temperatur der Luft, sondern auch die Empfindungstemperatur als Mittelwert aus Lufttemperatur und den gemittelten Oberflächentemperaturen des Raumes. Außerdem sollen die Temperaturdifferenzen zwischen Fuß- und Kopfhöhe weniger als 3°C, die Differenzen zwischen Wandoberfläche und Raumluft weniger als 4°C betragen. Zum Abtransport von überschüssiger Luftfeuchte, Kohlendioxid und unangenehmen Gerüchen muss in bewohnten Räumen oft gelüftet werden. Damit steigt das Zugluftrisiko, auf das sich auch die Anordnung und der Typ des Heizsystems auswirken.
Eine energetische Sanierung oder energieeffiziente Neubauten bieten in dieser Hinsicht einige Vorteile gegenüber ungedämmten Altbauten. Bei kalten Außentemperaturen sind ungedämmte Außenwände und vor allem herkömmliche Fenster auch innen merklich kälter als die Raumluft. Dadurch entsteht eine hohe Strahlungsasymmetrie im Wohnraum. Sie kann auch durch stärkeres Aufheizen der Raumluft nicht kompensiert werden.
In Niedrigenergie- und Passivhäusern hingegen herrschen innerhalb der Räume sehr einheitliche Temperaturverhältnisse. Sie verhindern kalte Füße oder unangenehme Strahlungskälte an Außenwänden und Fenstern. Heizungen können mit deutlich niedrigeren Vorlauftemperaturen betrieben werden. Oftmals ersetzen Flächenheizungen in Fußböden, Decken oder Wänden Radiatoren, was die Wärme ebenfalls homogener verteilt. Kontrolierte Belüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung ermöglichen die Zufuhr einer genau gesteuerten Menge temperierter Frischluft. Wird die Frischluftzufuhrleitung im Erdreich verlegt, ermöglicht das neben der Vorwärmung im Winter eine Kühlung der Zuluft im Sommer. Pollenallergiker können die Luft durch entsprechende Filtersysteme leiten.
Wohnen im gut geplanten energieeffizienten Haus bedeutet also behagliche Wärme im Winter ohne Strahlungskälte und Zugluft, geringere Temperaturen im Hochsommer und ganztägig effiziente Zufuhr an Frischluft. Dabei ist eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung keine Klimaanlage, sondern Zuluft bedeutet immer Frischluft.


